Sex sells oder Wie schön es sein kann, nackt zu sein

Sarah • am 25.09.2009 • keine KommentareShare
becomepostal: „Moi ce qui me choque c'est les armes et les milliers de meurtres que les enfants voient à la télévision dans des films de fiction, ainsi que les cadavres réels aux journaux télévisés, mais pas les personnes nues.“

Rico: „Holy crap! …. wie geil ist das denn bitte? da passt wirklich alles! Yeahhh das rockt! Love it!!”

AlexInToyland: “I love this song. But I think I just love it cause it's french. Vive la France! :D

Für den einen ist es moralisch nicht vertretbar, für andere hat es keine besondere oder innovative Message. Und die Mädchen sind sowieso viel zu dünn. Die Kommentare im Internet zum Musikvideo des Songs „Baby Baby Baby“ des französischen Elektro-Duos „Make the Girl Dance“ bezeugen das. Dass es provozieren soll ist offensichtlich.
Für den Videodreh in der Pariser Fußgängerzone Montorgueil hatten Pierre Mathieu und DJ Greg Kozo nur eine Chance. Die Mädchen, die einem Aufruf der Band auf Facebook folgten, durften sich keine Fehler erlauben: keine Schnitte, kein zweiter Versuch. Die Blicke der Passanten sprechen Bände.

Doch „Make the Girl Dance“ sind weder die ersten noch die einzigen, die mit nackter Haut in ihren Videos für Aufmerksamkeit sorgen wollten. Wir erinnern uns wahrscheinlich alle an die US-Pop-Punker Blink 182, die 1999 im Video zu „What’s my Age again“ in einer amerikanischen Kleinstadt Aufsehen erregten. Und das nicht mit den Körpern anderer, sondern mit ihren eigenen. Man sah zwar sowieso nicht viel, dank verpixelter Körpermitte, aber allein die Vorstellung, was sich dahinter verberge, erhitzte die Gemüter.



Ein anderes, nicht ganz so bekanntes Video aus der Kategorie „Nackt sein ist lustig und provoziert“ stammt von The Brighton Port Authority (kurz: BPA) aus Großbritannien. In „Jam Toe“ veranstalten Jungen und Mädchen mit 70er-Jahre-Frisuren eine Nudisten-Party, die hinterher von ein paar findigen Effekt-Tricksern zu einer Parodie auf die Zensur verarbeitet wurde.



Zu guter Letzt bin ich noch auf ein naturistisches Kunstwerk der Isländer Sigur Rós gestoßen. Für „Gobbledigook“ vergnügt sich eine Horde Jugendlicher im Wald. Sie scheinen Eins zu sein mit der Natur, mit Wasser und Sand. Das Video lässt sich daher gar nicht mit den vorher genannten vergleichen. Provokation ist hier fehl am Platz. Hatte man bei „Baby Baby Baby“ oder „What’s my Name again“ eher das Gefühl, dass Nacktheit und Sexualität immernoch ein Tabu darstellen, welches sich geradezu anbiedert, durchbrochen zu werden, ist „Gobbledigook“ vielmehr eine Hommage an den Körper, dessen Nacktheit kein Politikum sondern Natur ist. Ein Video, das zeigt, wie schön es sein kann, nackt zu sein – ohne von peinlich berührten oder voyeuristischen Blicken behelligt zu werden.



Dieser Artikel steht auch im Francophonic-Blog

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